Walking in Remscheid – #4

Tour #4 - 29. November 2020
Tour #4 - Teil 1
Tour #4 - Teil 2
Datum Dauer Strecke Fotos
22. November 2020 0:49 Std. 2,37 km 90
29. November 2020 1:59 Std. 3,52 km 245
Gesamt 2:48 Std. 5, 89 km 335

Erlaufene Straßen auf diesem Walk

Wolfstraße
Eversbergweg
Raspelweg
Düppelstraße
Diederichstraße
Erdelenstraße
Philipp-Melanchthon-Straße
Sieper Kirchsteig
Am Sieper Park
Im Haddenbruch
Haddenbrocker Straße
Steinberger Straße
Heidmannstraße
Weidengasse
Hof Heidhof
Hermann-Löns-Straße
Abraham-Hering-Straße
Johann-Peter-Frohn-Straße

Eindrücke entlang des Weges

Sieper Park. Das Wort „Siepen“ taucht erstaunlich oft in Remscheid auf. Kirschsiepen, Baisiepen, Mixsiepen. Sieper Straße, am Langen Siepen,       Sieper Park.
Die verflixte Siepen.
Was mag es bedeuten?
Das herauszufinden, ist heute ja keiner Rede mehr wert. Smartphone, Google, Webseite öffenen, lesen. Und hoffen, dass man eine gute Webseite erwischt hat. Das ist ungeheuer praktisch, ungeheuer schnell und erleuchtend, fraglos. Doch romantisch ist es nicht mehr. Wie gerne habe ich als Kind in der Stadtbibliothek herumgeschmökert, bis man mich abends rausgeschmissen hat. Von einem Rucksack ist mal ein Träger abgerissen, weil ich so viele Bücher ausgeliehen habe. Und dann gibt es noch die Episode „Heiligabend 1996“, als meine Mutter, meine Omi und und auf dem Sofa saßen und uns unterhielten und das Gespräch auf Karl May kam.
„Wie hieß eigentlich dat Pferd vonnem Winnetou?“, fragte meine Mutter dann irgendwann. Dieser Satz, gesprochen mit leicht ruhrpöttischer Klangfarbe, war der Startschuss zu einer Recherche epischen Ausmaßes. 1996. Da gab es Google noch nicht und kein US-amerikanisches Marketinginstitut war sich im Klaren darüber, welches Klopapier ich nutze und welche Videos ich schaue. Aber leider konnte ich diese Amis auch nicht anfunken und fragen:
„Hömma, Guugel! Sacht ma schnell, wie dem Winnetou sein Zossen mit Namen geheißen hat!“
2021 würde Google vermutlich antworten: „Dat kann ich Dir nich sachn, stell die Frage ma vernünftich!“. Habe ich aber noch nicht ausprobiert.
Jedenfalls, es gab kein Google. Und keine Alexa. Das heißt: doch, die gab es schon, aber sie war da noch bis vor kurzem meine Mitschülerin gewesen und sollte Jahre später für das Oberbürgermeisteramt kandidieren. Aber auch die konnte ich nicht fragen.
Ich konnte überhaupt niemanden fragen. Nur Bücher. Das traf sich allerdings gut. Bücher habe ich immer schon ganz viele gehabt.
Leider war das auch keine schnelle Lösung, da viele Bücher noch in Umzugskisten verpackt waren. Und am Ende half dann doch jemand anderes: Ulli, mein Onkel und seines Zeichens coolste Sau von ganz Essen-Rellinghausen. Von Beruf Künstler und damit per se telefonisch rund um die Uhr erreichbar.
„Ulli, Henning hier. Sach ma, weiß Du, wie dem Winnetou sein Pferd hieß? Wir machen uns schon stundenlang…“
„Iltschi.“
„Danke.“
(Fun Fact: jetzt, wo ich diesen Text hier schreibe, musste ich es wieder nachsehen. Bei Google.)
Die tonlose, allwissende Stimme von Onkel Ulli hat also eine epische Suche beendet, die – keine Übertreibung – dreieinhalb Stunden gedauert hat.
Die Entspannung des „Ach jo, richtig!“ währte natürlich nur kurz. Wenig später trieb uns um, welcher Schauspieler Mahatma Ghandi gespielt hat. Auf Ben Kingsley kamen wir erst, nachdem ich die Kiste mit den Lexika und darin das Lexikon des internationalen Films gefunden habe.
Der Heiligabend war wenig heilig, wenig besinnlich. Aber er blieb im Gedächtnis. Dank Iltschi, Ulli und Ben.
Und jetzt? Was wollte ich Euch eigentlich erzählen? Echt, jetzt muss ich meinen eigenen Text nochmal lesen, um herauszufinden, wie ich überhaupt auf Iltschi gekommen bin. Aber ich hab’s wieder: Siepen.
– Das ist leider überhaupt gar nicht romantisch: ein Siepen ist ein Bachlauf. Fertig.

Okay, also Siepen. Offensichtlich heißt sogar der ganze Ort so, wenn ich einem Remscheider Taxifahrer glauben darf, der meinte, er wüsste, wohin er muss, wenn ich „zum Siepen“ sage. Ich habe allerdings nicht gefragt, wohin er denn dann fahren würde. Das ist natürlich ein Versäumnis.
An einem regnerischen Remscheider Tag (dem 22. November 2020) mache ich mich los und plane, am ehemaligen Fort Blücher zu parken.
Das geht schonmal in die Hose. Da kann man nämlich nicht parken.
Ein paar Runden hin und her lassen mich mein Auto schließlich gegenüber der Philipp-Melanchthon-Straße abstellen. Ich starte meine Tour erstmal die Straße zurück, um dann in die Wolfstraße einzubiegen.
Die Wolfstraße hatte ich schon lange auf meinem Plan, denn hier fahre ich morgens oft entlang, um in die Apotheke zu kommen. Die Wolfstraße ist sehr schmal und sehr steil und erlaubt beim Vorbeifahren, zumal in einer Kurve- und Tempo 30-Zone gelegen, keinen Einblick.
Sie macht also neugierig.

 

Am Ende des Waldweges wartet wieder die Wolfstraße auf mich. Der Waldweg ist also ebenfalls die Wolfstraße. Hier geht es bergauf und man endet wieder auf der Ronsdorfer Straße, direkt neben der bergischen Dependance des Weihnachtsmannes.
Menschen, die zur Weihnachtszeit im Dunkeln unterwegs sind an dieser Stelle wissen, was ich meine.

Weihnachtspuff

 

Der Duft von Remscheids bester Bäckerei (Kurth) empfängt mich verlockend, doch ich bleibe stark. Dabei hilft mir natürlich das Ministütchen, das ich mir in eben dieser Bäckerei am frühen Morgen erst gekauft habe.
Danke, Kurth! 🙂
Ich biege also scharf rechts in den Raspelweg, den ich durchschreite und auf die Düppelstraße einmünde. Ich bin zu diesem Zeitpunkt satt vom Kurth’Schen Ministütchen, doch muss ich auch kaum etwas trinken. Das Stütchen war vom Regen ausreichend mit Wasser vollgesogen.
Das ist in diesem Moment zwar durchaus praktisch (die Wasserflasche habe ich so geschickt im Rucksack verstaut, dass ich ohne Entkleiden nicht rankomme), doch irgendwie trotzdem unbefriedigend. Und überhaupt: was soll das eigentlich mit dem Regen? Ich will doch wandern!
Bevor ich mich an der Einmündung der Diederichstraße an der Bushaltestelle doch noch mit Wasser versorge und dabei – ich Glückspilz! – ein Corny im Rucksack finde, lasse ich die Düppelstraße auf mich wirken.
Düppelstraße. Die hatte es mir als Kind mehrfach angetan.
Da war zunächst mal meine Fliegereileidenschaft. Und als Kind interessiert man sich ja nun auch für die Militärfliegerei und da spielen „Düppel“ eine ganz bestimmte Rolle. Es handelt sich um Aluminiumstreifen (oder Stanniol in den ersten Stunden), die aus einem fliegenden Flugzeug abgeworfen wurden. An den herabfallenden Streifen reflektierte sich die Radarstrahlung der gegnerischen Luftraumüberwachung und sorgte für äußerst starke Detektionen. Die abwerfenden Flugzeuge flogen aber weiter, jetzt wegen der Täuschung unerkannt.
Und in Remscheid wurde eine Straße danach benannt? Fand ich als Kind natürlich spitze.
Spitze fand ich auch Nina. Nina ist die Tochter eines damaligen Remscheider Chirurgen und besuchte die Parallelklasse. Tatsächlich hatten wir nie wirklich was miteinander zu tun, aber Nina war für mich immer cool. Also cool im Sinne von: cool. Sie war irgendwie so geerdet. Das hat mir immer gefallen. Und sie wohnte in der Düppelstraße.
Nina, Du alter Täuschkörper. Wenn Du das hier liest, Nina, dann wisse: Du hast einem Jungen aus Bliedinghausen damals gut gefallen und er wäre gerne Dein Kumpel gewesen. Wegen der Täuschkörper. Aber vor allem wegen Dir.
Übrigens auch ein bisschen wegen des Sportplatzes in der Düppelstraße, auf dem ich nie gespielt habe, den ich aber als einen der vielen Remscheider Plätze irgendwie zuordnen konnte.
Vermutlich wegen Nina.
Witzigerweise wusste ich aber nie, wo der eigentlich liegt oder wo diese Düppelstraße eigentlich ist.
Vermutlich wegen der Täuschkörper.

Durch die Diederichstraße zog ich dann auf die Erdelenstraße. Von hier hätte es eigentlich in den Sieper Park gehen sollen, doch das Wetter verschlechterte sich. Weil ich mich sowieso auf dem Weg zum Auto befand, entschied ich, die Tour hier zu unterbrechen und zu einem späteren Zeitpunkt weiterzumachen.
Eine Woche später ist dann dieser „spätere Zeitpunkt“. Der Parkplatz ist wieder exakt der gleiche und mein Weg führt mich nun zurück die Erdelenstraße hinauf. Gleich vor dem Fort Blücher schlage ich den Weg zum Sieper Kirchsteig ein und betrete den Sieper Park.
Das Fort Blücher ist eine Remscheider Institution. Viele Jahrzehnte hat es Gäste und Einheimische verköstigt und ist sicher ein Ort vieler Geschichten.
Ich war genau ein Mal da.
Dennoch kennt es jeder. Mindestens jeder Autofahrer. Es liegt so prägnant in der Kurve und der Name ist so einprägsam, dass ich vermuten würde: jede Remscheiderin, jeder Remscheider über sechzehn Jahren hat den Namen schon Mal gehört. Jetzt ist schön zu sehen, dass es renoviert wird und im Herbst 2020 eröffnen will. Herbst 2020 ist natürlich schon vorbei, aber ich nehme an, der Zeitpunkt wurde pandemiebedingt verschoben. Ich bin guter Dinge, dort auch ein zweites Mal essen gehen zu können!
Der Sieper Park verschluckt mich umgehend und löscht den Lärm der Straße. Die Sonne scheint, steht recht tief und ich blinzle in die Helligkeit des Frühwinters. Der Wald steht nackig da. Raue Baumrinden, knorrige Wurzeln. Es ist die Kälte, die durch das Holz kriecht, durch meine Kleidung und in meine Knochen. Aber es ist eine schöne Kälte. Eine sonnenbeschienene Kälte. Eine Kälte, die mir verspricht, dass die heiße Tasse Kaffee später dann aber auch wirklich verdient ist und mich wärmen wird. Sogar das Plätschern des kleinen Rinnsals klingt kalt.
Aber so schön!
Dieser Ort und diese Atmosphäre laden zum Verweilen ein. Die Tasse Kaffee will ich mir wirklich verdienen!

Wie es sich für einen guten Weg durch den Wald gehört, habe ich mich natürlich verlaufen. Ich komme nicht etwa in der Johann-Peter-Frohn-Straße an, sondern… irgendwo anders. Das Straßenschild gesucht und festgestellt:es gibt gar kein Straßenschild.
Ich steh‘ im Wald. Wortwörtlich.
Aber da der Weg sowieso nur in eine Richtung geht – was mich zu der Frage bringt, warum zum Teufel ich mich verlaufen konnte? – marschiere ich stetig (andere würden sagen: stumpf) geradeaus weiter. Aber es ist ja auch schön und deshalb empfinde ich das nicht als Nachteil. Und gespannt, in welcher deutschen Stadt ich am Ende auskomme, bin ich ja auch irgendwie.
Nach einiger Zeit habe ich die Zivilisation wieder erreicht. Die Einwohner dort hören auf den Namen „Bewohner des Sieper Parks“ und sind freundlich gesinnt. Die gute Nachricht außerdem: ich habe Remscheid nicht verlassen. Fein.
Ich wende mich nach links und laufe die Straße entlang, auf der mich einige schöne Wohnhäuser und ein süßer Spielplatz begleiten, bis zur nächsten Abzweigung. „Im Haddenbruch“ heißt der Querverlauf. Kurz überlege ich, ob ich meine Mitarbeiterin Buki nicht überraschen soll. Immerhin, es ist Sonntag, kurz nach zehn Uhr morgens und wenn ich schon so fit bin, wird sie es sicher auch sein. Ich entscheide mich aber dagegen. Dafür erhalte ich am nächsten Arbeitstag einen großen Dank, denn Buki hat bis zwölf Uhr geschlafen.
Ich laufe erst rechts, dann links in die Haddenbrocker Straße. Hier halte ich ein, denn mein Namensgedächtnis funkt das geschichtliche Interessenszentrum an und fragt, warum hier alles voller „Hadden“ ist. Namensforschung, Etymologie genannt, hat mich schon immer begeistert, weshalb die beiden Hirnteile recht oft miteinander kommunizieren. Sie haben sich vermutlich auch gegenseitig auf Instagram geaddet. Egal. Herausgefunden habe ich dieses (auf der Webseite der Stadt Remscheid):

Schon im 12. Jahrhundert wurde Remscheid urkundlich erwähnt. Graf Engelbert I. von Berg (Lebensdaten: *1151 – 1189) schenkte den Johannitern zwischen 1173 und 1189 Kirche und Fronhof zu Remscheid. Bereits zu Beginn des 12. Jahrhundert besaß das adelige Frauenstift Essen Land in der Nähe des zum Fronhof Remscheid gehörenden Hofes „Hoddinbeke“ (Haddenbach), den späteren Hof „ten Rode“ (Rath).

Offenbar beziehen sich die verschiedenen Straßennamen auf diesen alten Hof oder den Bachlauf.

Soweit informiert, geht es weiter. Von Höfen und Bächen ist hier natürlich keine Spur mehr, die Stadt hat sich dieses Gebiet komplett erobert. Ich bewege mich zielsicher auf die Heidmannstraße und weiter auf die Steinberger Straße.
An dieser Stelle denken wir alle kurz an meinen Kumpel Marc, dem die Ehre zuteilgeworden ist, dass man einen kompletten Ortsteil nach ihm benannt hat. Chapeau, ming Jung! Hasse Dir verdient!
Steinberg also. Der Name gilt hier zurecht. Neben verdammt vielen Steinen um mich herum befinde ich mich überdies am Hang eines Berges, wie die Aussicht mir beweist.
Die Steinberger Schule begrüßt mich sofort zu Beginn. Von ihr kenne ich nur die Sporthalle, in der ich einige epische Hallenfußballschlachten geschlagen habe. Ich frage mich in Erinnerung daran immer: warum müssen Menschen bei der Ausübung eines Sportes, der allen Spaß machen soll, eigentlich unbedingt ihren Aggressionen freien Lauf lassen? Zu dem Sportverein bin ich irgendwann nicht mehr hingegangen, weil sich sonst scheinbar nur die wenigstens daran gestört haben, dass da um sich geschlagen und getreten worden ist.
Das schöne Eingangsportal der Schule entschädigt meine dunklen Erinnerungen aber und der Tag ist sowieso viel zu schön, als dass ich mich davon herunterziehen lassen könnte. Außerdem spricht mich eine Dame an und rät mir, abends nochmal wiederzukommen. Dann nämlich ist die alte Kneipe „Hägener Stube“ wohl schön beleuchtet. Ihr Enkelin bringt mir außerdem noch schnell bei, warum ihr Einhorn rosa ist und eine rote Schleife in der Mähne hat. Leider habe ich das vergessen, weshalb an dieser Stelle, unbekannterweise, meine ernst gemeinte Entschuldigung an die Kleine herausgeht, die sich so viel Mühe mit mir gegeben hat, und ich hab’s vergeigt.
Sorry!

Ich vermute, es waren die Eindrücke, die die frisch gespeicherten Gehirndaten sofort wieder überschrieben haben: die Aussicht hinunter in das Morsbachtal und die dahinter liegende Ortschaft sind einfach zu schön!
Ich bewege mich weiter, schlage eine neue Straße ein, nur um festzustellen: die habe ich schon gesehen. Heidmannstraße. Nanu? Verwundert laufe ich weiter und lande am Sieper Park.
Ker, laufe ich etwa im Kreis?
Kurz gesagt: ja. Ich laufe im Kreis.
Das ist aber gar nicht so schlecht, denn der Kreis bringt mich zurück in das Wäldchen. Das bedeutet für mich: eine zweite Chance, meinen „Fopaaa“ von gerade auszumerzen und doch noch die Johann-Peter-Frohn-Straße zu finden!
Ich marschiere also schnurstracks auf eine Abbiegung zu, die mich spontan komplett verunsichert.
Links?
Rechts?
Zurück?
Fuck! Dieser Johann-Peter-Frohn ist aber auch verdammt schwierig zu finden.
Ich gebe zu: ich schummle. Google Maps souffliert mir, dass ich links lang muss.
Hätte ich natürlich auch so gemacht, klar. Bin selbstsicher. (Hüstel)
Der Weg durch den Wald ist schön und ruhig. Und lang. Und einsam. Und ohne irgendwelche Anzeichen dafür, dass ich tatsächlich richtig laufe.
Aber ich bin ja selbstsicher und weiß von einem weiteren Corny Müsliriegel in meinem Rucksack, der mein Überleben sichern wird, auch wenn ich mich erneut verlaufen sollte.
Das wurde nicht nötig, denn ich erreiche (erneut) die Zivilisation in Form eines Schrebergärtchens. Der Weg führt oberhalb entlang. Stramm marschiere ich ihn entlang und halte ein.
Wasser!
Warum nur? Warum musste ich mir für diese Wanderung die Stadt Remscheid aussuchen? Hätte es nicht Dülmen sein können? Oder Emden? Oder irgendeine andere Stadt ohne Hügel?
Das Wasser ist mein Mana und ich bin bald wieder auf Deck. Noch kurz warten, dass meine Pulsuhr nicht mehr hektisch piept, weil sie denkt, ich brauche eine Reanimation, und weiter geht’s. Ich komme an meinem dritten? Vierten? Xten Siepen aus, aber einer Stelle, die mir zu gut bekannt ist: die Fahrten Richtung Hasten bringen mich immer die Eberhardstraße herunter und dort bewundere ich immer diesen süßen, kleinen Bau an der Abzweigung, der wohl mal eine Kneipe war (ist?). Der Blick ins Tal ist herrlich. Und ich weiß auch endlich, wo ich bin.

Durstlöschoase

Zielsicher marschiere ich den Langen Siepen herunter auf der Jagd nach dem Frohn Johann-Peter. Unterwegs erlege ich weiteres Straßenwild: Hermann Löns. Abraham Hering. Und ich begutachte den Hof Heidhof.
Schließlich ertappe ich außerdem Philipp Melanchthon dabei, mir eine weitere Kindheitserinnerung zuzuflüstern. Der Name der Erinnerung: Katharina.
Notiz an mich selbst: herausfinden, warum Dich in dieser Stadt verdammt noch mal ALLES an irgendwelche Frauen erinnert.
Katharina. Später Mitschülerin auf dem Gymnasium. Damals aber hauptamtlich meine Tanzpartnerin in der Tanzschule Liedtke.
Jawohl, Kinder. Tanzschule. Für Euch klingt dieses Wort vermutlich so wie für mich in meiner Jugend „Milchbar“. Oder „Autokino“. Und alles sah so aus wie in „Zurück in die Zukunft 1“.
Damals, es war Ende der Achtziger Jahre, gab es in Remscheid einige alternative Evangelien, zu denen jedes Kind gezwungen war sich zu bekennen. Das war eine Frage von zukunftsweisender Bedeutung und kam eigentlich nur der Situation gleich, in der Dir ein Hut sagt, ob Du Hufflepuff, Ravenclaw, Slytherin oder Gryffindor bist:
EMA oder Leibniz?
VfB Marathon oder BVL?
Und: Wieber oder Liedtke?
Mein Hut sagte: Liedtke.
Und es war mir egal.
Hingegangen bin ich wohl, weil das irgendwie eine Konvention war, der man zu folgen hatte. Außerdem gingen ja ohnehin alle hin, auch einige aus meiner Klasse, Alexa zum Beispiel und Judith.
Ergänzung zur Notiz an mich selbst von oben: suche Dir Hilfe.
Gut, wo war ich? Ach ja. Bei Alexa. Nein, sorry: Judith. KATHARINA!!
Katharina.
Ja, die war da auch. Und Ute.
Hach. Ute…
Notiz an mich selbst: schmeiße die Notizen weg. Dir kann niemand mehr helfen.

Okay. Katharina also. Meine Tanzpartnerin im A-Kurs. A wie Anfänger. Und begonnen hat alles mit dem Wiener Walzer. Mann, war ich gut. Zumindest dachte ich das, aber jetzt gerade fällt mir ein, dass Katharina auf dem Abschlussball goldene Schuhe trug. Ich frage mich, ob sie mir damit ein Signal geben wollte, die Schuhe und die Füße darin auch wirklich und jederzeit eindeutig identifizieren zu können.
Tanzschule war schon spaßig. Wenn man sich einmal an die nasalen Befehle des Tanzlehrers („Und eins – und zwei – und drei – und jetzt die Promenaaaaaaaddeeeeee…“) gewöhnt und herzlich darüber gelacht hatte, war es toll. Ein Kindheitsereignis eben. Und immer wenn Rumba dran war, durfte ich mit Ute…
Wie komme ich eigentlich dadrauf?
Ach ja: Philipp. Melanchthon.
Und da steht eine Kirche mit höchst eigenartigem Kirchturm.
Drin war ich nie, nicht mal in der Nähe. Aber Katharina war die Tochter des damaligen Pfarrers.
Grüße an Katharina also 🙂
Seicht lächelnd wegen dieser warmen, schönen Erinnerungen, bewege ich mich an das Ende der Tour und auf mein Auto zu.
Schön war’s.

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